Die Kongregation der Armen Schulschwestern von Unserer
Lieben Frau wurde begründet, als Gottes Ruf in den Herzen von
glaubensstarken, weitblickenden und mutig handelnden Menschen sein Echo fand.
Durch dieses geheimnisvolle Wechselspiel von göttlicher Berufung und
menschlicher Antwort besteht die Kongregation bis auf den heutigen Tag.
Unser Charisma entspringt unserem geistlichen Erbe, in dem wir in besonderer
Weise beschenkt sind durch den hl. Augustinus, der in der Dreifaltigkeit
Grund, Ursprung und Ziel jeder Gemeinschaft sah und eine Gemeinschaft formte,
die ein Herz und eine Seele in Gott sein sollte. Es war dieser augustinische
Geist, der den ersten Ordensregeln ihren Rahmen gab.
Die
selige Alix Le Clerc und der hl. Pierre Fourier wiesen dem Ordensleben einen
neuen
Weg
in der Überzeugung, dass der apostolische Dienst der Erziehung zum Wesen der
Gemeinschaft gehörte, die sie gründeten und der sie den Namen „Congrégation
Notre Dame - Chorfrauen
des hl. Augustinus“ gaben. Alix und ihre Gefährtinnen legten am
Weihnachtstag 1597 in Mattaincourt in Lothringen ihre Ordensgelübde ab.
Obgleich ihre Wurzeln weit in die Vergangenheit zurückreichen, betrachtet
die Kongregation den 24.
Oktober 1833 als den Tag ihrer Entstehung, weil an diesem Tag Karolina
Gerhardinger mit zwei anderen Frauen ein gemeinsames religiöses Leben in
Neunburg vorm Wald in Bayern begann. In ihrem Handeln waren diese Frauen
durchdrungen von einer apostolischen Spiritualität, die ihr eigenes Leben
formte und das vieler anderer entscheidend prägte.
Die politischen und religiösen Folgen der Aufklärung und der französischen
Revolution verursachten im 19. Jahrhundert in Deutschland einen
Bildungsnotstand, der für die Kirche und die Gesellschaft weitreichende
Folgen hatte. Den Vertretern der Aufklärung, die auf dem Vorrang der
Vernunft beharrten, erschien eine christliche Erziehung kaum mehr
erstrebenswert. Als der Staat kirchliche Besitztümer beschlagnahmte, kam es
zur Aufhebung vieler Klosterschulen. Damit war der weiblichen Jugend weithin
die Möglichkeit genommen, auch nur eine elementare Bildung zu erhalten.
Die Schließung der Klosterschule der Chorfrauen de Notre Dame in Stadtamhof/Regensburg
ließ
die kritische Situation auch für deren damalige Schülerin Karolina
Gerhardinger einschneidend spürbar werden. Dem Rat des Dompfarrers Michael
Wittmann von Regensburg folgend, wurde sie mit noch zwei Gefährtinnen als
Lehrerin ausgebildet, um in der Mädchenschule von Stadtamhof zu unterrichten,
die als Pfarrschule weitergeführt wurde. Unter Wittmanns Leitung erkannte
Karolina immer deutlicher ihre Berufung. Mit ihm teilte sie die Sorge um die
Erneuerung des religiösen Lebens. Aus diesem gemeinsamen Anliegen reifte der
Entschluss, eine Ordensgemeinschaft zu gründen, die durch den Dienst der
Erziehung beitragen sollte zur Verbesserung der damaligen Verhältnisse.
Gemeinsam waren sie überzeugt, daß eine Änderung der Gesellschaft abhängig
ist von der christlichen Familie, die Familie aber geprägt wird von der
Mutter, denn sie ist die erste Erzieherin. Darum entschlossen sich Wittmann
und Karolina, ihre Gemeinschaft dem Dienst der christlichen Erziehung der
Mädchen zu widmen. Den ärmsten unter ihnen in den kleinen Städten und
Dörfern galt ihre erste Sorge.
Als
Bischof Wittmann in der entscheidenden Zeit des Anfangs unerwartet sta
rb,
wagte Karolina dennoch in unerschütterlichem Vertrauen auf Gottes Vorsehung
und unterstützt von Franz Sebastian Job, einem Freund Wittmanns, die
Gründung der Kongregation im Jahre 1833. Karolina, die den Namen Maria
Theresia von Jesu angenommen hatte, bearbeitete die Regel der Chorfrauen de
Notre Dame. Dieser Orden, der in seinem Geist geprägt ist durch die Regel
des heiligen Augustinus, wurde 1597 von der seligen Alix Le Clerc und dem
heiligen Petrus Forerius ins Leben gerufen. Entscheidend beeinflußt wurde
das Leben der jungen Kongregation durch das Büchlein von Franz Sebastian Job
"Geist der Verfassung der Armen Schulschwestern de Notre Dame".
Die Spiritualität der Kongregation ist zutiefst geprägt von der
Spiritualität Mutter Theresias. In der Anbetung des Allerheiligsten
Altarssakramentes empfing ihre Liebe zu Gott Nahrung und Kraft. Diese Liebe
entzündete in ihr das brennende Verlangen ihres Lebens: Gott zu kennen und
seinen Willen zu erfüllen. All ihr Mühen war durchdrungen von dem einen
beherrschenden Grundanliegen: daß Gott verherrlicht und sein Reich
ausgebreitet werde. Um den Armen zu dienen, gründete Mutter Theresia ihre
Kongregation auf das Fundament der Armut. Sie weihte die Gemeinschaft Maria,
in der sie das Vorbild erkannte für sich, ihre Schwestern und die Mädchen,
denen sie dienten. Als Erzieherin betonte Mutter Theresia die unbedingte
Notwendigkeit des Beispiels und die Verbindung von Verstandes- und
Herzensbildung.
Der Aufbau der Kongregation ergab sich aus den Anforderungen des Dienstes,
aus dem, was gut war für die Menschen und notwendig für die Schwestern.
Mutter Theresia sandte diese zu zweit und zu dritt aus, um die Menschen in
den ländlichen Gegenden zu erreichen. Damit wich sie von der üblichen Form
der großen monastischen Klöster ab. Um einen einheitlichen Geist, eine
gleiche Ausrichtung und Zielgebung unter den Schwestern, den Filialen und
später unter den Provinzen aufrechtzuerhalten, bestand sie auf einer
einigenden, zentralen Leitung für ihre Kongregation. Im Gegensatz zu den
herkömmlichen Gebräuchen und dem herrschenden Zeitgeist war sie überzeugt,
daß eine Frau ihre Schwestern besser verstehen und daher auch besser leiten
und anregen konnte. In tiefem Gottvertrauen und in Treue zur Kirche
durchlitt sie schmerzliche Zeiten, als ihre Ansichten über die Leitung
mißverstanden wurden.

Das ganze Leben Mutter Theresias war geprägt vom Paschageheimnis. Das
Sterben und Auferstehen hat sie in einer besonderen Weise erfahren, als sie
um die Bestätigung der Kongregation ringen mußte und dann voll Freude 1865
die Approbation der Konstitution der Armen Schulschwestern von Unserer
Lieben Frau durch Papst Pius IX empfing.
Die junge Kongregation hat Leiden und neues Leben immer wieder an sich
selbst erfahren. Äußerste Armut kennzeichnete die ersten Jahrzehnte des
Bestehens. Menschen, die für sie kein Verständnis aufbringen konnten,
verachteten und schmähten die Schwestern. Nach 1860 litten sie in Europa und
Amerika an den Folgen der Kriege. Politischer Druck führte um 1870 zur
Vertreibung der Schwestern aus Westfalen und Schlesien.
Gleichzeitig
erlebte die Kongregation eine neue Blüte. Geschätzt und unterstützt von der
Hierarchie und den Laien, verbreitete sich die Kongregation über die Grenzen
Bayerns hinaus in 11 Ländern Europas und Amerikas. Als Mutter Theresia 1879
starb, lebten mehr als 2500 Schulschwestern das Ordensleben in ihrem Geist.
Sie begegneten den immer neuen Nöten der Zeit durch die Erziehung der
Mädchen, vor allem in Volksschulen, aber auch in Waisenhäusern,
Tagesheimstätten, und Industrieschulen. Sie wirkten in der Lehrerausbildung
und waren richtungweisend in der Entwicklung des Kindergartens. Für
Fabrikarbeiterinnen errichteten sie Heime und Abendschulen, um diesen Frauen
eine Grundausbildung zu vermittein.
Wie Mutter Theresia über das Wachstum der Kongregation dachte, beschrieb,
der Prälat Adalbert Huhn in seinem Nachruf auf sie:
". . .wenn sie von ihrem Orden redete, nannte sie denselben mit Betonung und
Ehrfurcht ‘das werk Gottes'. . . Ihre Liebe zu den Seelen trieb sie von
einem Ende Europas zum anderen, von einem Weltteil in den anderen; die Sorge
um das Heil der Seelen war der Kernpunkt ihres Strebens. . . Nicht, daß sie
viele Schwestern zählen konnte, hat sie bewegt, sondern deren innere
Umgestaltung zum Bild und Gleichnis des gekreuzigten Gottessohnes. . ."
Frieß, S. 353
In großer Dankbarkeit und mit prophetischem Weitblick betete er:
"Vater im Himmel,. . . wir danken dir, daß du der Familie der armen
Schulschwestern einen so gesegneten Anfang gegeben; möge dieser Anfang die
Bürgschaft sein für die Fortsetzung und für die Vollendung!" Frieß, S. 355
Quellenverzeichnis
Seite 4, Prolog: Joh 2,5; zitiert nach NEUES TESTAMENT mit
den Erläuterungen der Jerusalemer Bibel, Freiburg 1968
Seite 5, Nr. 1: Joh 17, 18.21; ebenda
Seite 5, Nr. 5: Brief Mutter Theresias von Jesu Gerhardinger vom 4.Oktober
1856. Archiv des Generalates der Armen Schulschwestern von Unserer Lieben
Frau, Rom, Brief Nummer 2277
Seite 16, Nr, 49: Brief Mutter Theresias von Jesu Gerhardinger vom 30.Mai
1847. Archiv des Generalates der Armen Schulschwestern von Unserer Lieben
Frau, Rom, Brief Nummer 714
Seite 72: Friedrich Frieß, Leben der Ehrwürdigen Mutter Theresia von Jesu
Gerhardinger. München